Familien-Unternehmer

Mein Engagement war zunächst nicht gesellschaftspolitisch
– sondern nur gesellschaftlich im traditionellen Sinn.

Nach traditionelle Werte prägender Schule und einem von Internatszwängen befreiten Jahr als Bankvolontär in Genf wollte ich in Paris Kunst studieren. Durch väterlichen Beschluss wurde daraus Betriebswirtschaftslehre (BWL) in München. Aus Einladungen zu reizvollen Festen wuchs mein Wunsch, selbst Feiern zu organisieren. Dies begann mit einer von mir organisierten Floßfahrt auf der Isar und jährlich wechselnden eigenen Tanzfesten aller Art – alles von traditioneller Jazzmusik begleitet und ziemlich oberflächlich – was mir damals normal erschien.

Schließlich konnte ich mein BWL-Studium DENNOCH mit gutem Erfolg abschließen und begann ein erstes Jahr als „Junior“ mit zumeist nur theoretisch sinnvollen Initiativen im traditionellen, von meinen Vorfahren 1881 gegründeten Familien-Unternehmen, der Künstlerfarbenfabrik H. Schmincke  & Co. in Düsseldorf.

Dort wurde mir nach einem ersten Jahr in der Praxis schnell bewusst:
Was ich in München gelernt hatte, nämlich fröhliche Feste zu organisieren, war schön, aber zunächst kaum sinnvoll im neuen Berufsleben als BWL-Marketing-Novize im Familien-Unternehmen. 

Zuflucht bot der "Bundesverband Junger (Familien)-Unternehmer (BJU)“. Wir lernten miteinander und voneinander. Mit meiner Wahl zum BJU-Regionalvorsitzenden in Düsseldorf begann neues Lernen – ein nützliches und Freude machendes informelles Zweitstudium:
Die deutschen Regionalvorsitzenden bildeten einen "Arbeitskreis", der neue Seminarformen mit zumeist internationalen Fachleuten für unsere deutschen BJU-Mitglieder testete. Es waren Themen wie Gruppendynamik, freie Rede, Förderung der Kreativität – alles Inhalte, die uns damals das BWL-Studium nicht geboten hatte.

Dies wurde zum Einstieg in ein eigenes – damals in Deutschland neues – Berufsfeld als Management-, Marketing- und Kreativitäts-Trainer, heute auch "Coach" genannt.

Die ergänzenden didaktischen Fähigkeiten ließen sich in den Sommerferien in England in den Colleges der großen Universitäten erlernen. Nachhaltig beeindruckte mich dort auch der von Butlern um 6 Uhr früh servierte „early morning tea".

Im neuen Trainer-Beruf konnte ich am Tag fast genau so viel verdienen wie bei meinem Vater im Monat. Außerdem und vor allem: Es war etwas Eigenes und nicht nur Ererbtes. Nachdem schließlich die Fa. Bayer mein Marketing-Seminar zweimal für ihre Führungskräfte getestet hatte, bot mir der Bayer-Vorstand an, in diesem Traditionsunternehmen erstmalig ein Marketing-Management-System aufzubauen. Das war ein verlockendes Angebot – aber dafür hätte ich ein Bayer-Mitarbeiter werden müssen.

Im Jahr 1970 kam es darum mit meinem Vater zu einer Vertragsverhandlung.
Er hatte einen Anwalt; ich auch (einen Schul- und Studienfreund, Dr. Claus Stein).

Das Ergebnis:

Ab 1. Januar 1971 wurde ich – zunächst neben meinem Vater – geschäftsführender Gesellschafter der Firma "H. Schmincke & Co.– Fabrik feinster Künstlerfarben". Damit konnte ich meine auf echtem Qualitätsbedarf aufbauende, nicht-manipulative Marketing-Konzeption behutsam durchsetzen und gleichzeitig mit einigen Gleichgesinnten für meine partizipativen gesellschaftspolitischen Visionen werben.

Das war auch der Beginn meines konkreten gesellschaftspolitischen Engagements.