Micro-Zuschüsse – „micro-grants“

Bereits ein Jahr nach Gründung der Peter-Hesse-Stiftung in 1983 wurde dieses Problem menschlicher Entwicklung in Haiti deutlich: Selbsthilfe-Initiativen brauchen häufig Starthilfen. Die finanzielle Förderung von Selbsthilfe-Initiativen durch Mini-Kredite ist spätestens seit Professor Yunus' Friedens-Nobelpreis anerkannt und erfolgreich, sofern "richtig" eingesetzt. Aber nicht immer sind Micro-Kredite rückzahlbar.

Dann können Zuschüsse besser geeignete Starthilfen sein. Zu viel Geld lähmt jedoch die Eigeninitiative und fördert Korruption. Micro-Zuschüsse, "micro-grants", genügen häufig. Da sie jedoch administrativ teuer sind, mussten neue Wege gesucht werden. Einen solchen Weg hatte ich schon 1984 vorgeschlagen. Er führte schließlich 1989 zum Erfolg, wie im Buch "Von der Vision zur Wirklichkeit" auf Seiten 87/89 – s. hier – zusammenfassend beschrieben und 1990 unter dem Namen Partnerschafts-Helfer-Modell veröffentlicht.

Seit 1990 funktioniert(e) dieses Mini-Cofinanzierungs-Verfahren erfolgreich im Rahmen des vom Deutschen Entwicklungsdienst (ded) durchgeführten Instrumentariums des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unter dem Namen "Programm zur Förderung einheimischer Organisationen und Selbsthilfe-Initiativen" (s. hierzu auch den ded-Beitrag "Von der Partnerschafts-Hilfe zur Beratung einheimischer Organisationen" im Buch "SOLIDARITÄT die ankommt", S.231-270).

Dieses Programm ergänzt(e) im Micro-Finanzsektor die Micro-Credit Systeme, wie sie insbesondere von Prof. Yunus und seiner Grameen-Bank bekannt wurden. Bis zur Integration des Deutschen Entwicklungsdienstes (ded) in die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) in 2011 blieb es ein Erfolgsmodell für Basishilfe durch deutsche Entwicklungs-Fachkräfte in sich entwickelnden Ländern. Das Modell wurde ein Opfer von – wie ich meine – falscher Entwicklungspolitik. Es bedarf nun der politischen und administrativen Reaktivierung und weiteren Engagements.

Die politische und administrative Regenerierung des erfolgreichen, vom BMZ in 2011 vernachlässigten Partnerschafts-Helfer-Modells könnte und sollte von anderen für EINE Welt engagierten Menschen zumindest mitgetragen werden. Das könnte und sollte dann in einem globalen Maßstab versucht werden – im Interesse sich entwickelnder Menschen in der Welt.

Eine nicht nur von und für die Staaten unserer Welt getragene UNO wäre ein sinnvoller Rahmen. Dazu müssten sich die Staaten – und eine sich erneuernde UNO – allerdings mehr an den Menschen in unserem globalen Dorf orientieren – und nicht nur an den Regierungen.

Das erscheint noch eine utopische Vorstellung zu sein – könnte sich jedoch durch eine ganzheitlich lernende Menschheit qualitativ wandeln und zu einer real möglichen Vision werden.